Ein Thema, das mich – kreativen Menschen – zur Zeit beschäftigt …


jeder Vers und Reim wurde schon geschrieben
seufzte der Dichter
und legte seine Feder beiseite

jede Tonfolge und Harmonie bereits komponiert
sagte der Musiker
und schloss sein Notenheft

jede Farbe und Form wurde schon auf Leinwand gebracht
murmelte der Maler
und wusch seine Pinsel aus

jegliche Figur und Gestalt aus Stein gehauen
sagte der Bildhauer
und warf seinen Meißel fort

jedes Blumenbeet und Steingarten wurde bereits angelegt
sagte der Gärtner
und stellte seinen Spaten in den Schuppen

was können wir der Welt noch geben?

fragte
der Dichter
der Musiker
der Maler
der Bildhauer
der Gärtner

es gibt nichts Neues mehr in der Welt
sagten die Leute

die Welt wurde kalt
die Welt wurde leer

denn es gab keine Träumer mehr …

geschrieben im August 2015 von Holda Stern

4 Gedanken zu “Ein Thema, das mich – kreativen Menschen – zur Zeit beschäftigt …

  1. So Zeiten gibt es, liebe Holda. Ungefähr so erlebe ich das gerade auch und will mich davor hüten, bloß weil ich die Gegenwart gerade nicht so erbaulich finde, in den tückischen Endlos-Schleifen der Vergangenheit haften zu bleiben.
    Das, was mich zunehmend bewegt, darüber redet man nicht gern. Darüber schreibt „man“ im allgemeinen auch nicht gern. Obwohl es Zeit währe, darüber zu schreiben, für mich. Will ich das aber wirklich, mich solchen Themen widmen, öffentlich? Wohin führt mich die Auseinandersetzung damit? Bestenfalls zurück in`s JETZT, in`s Heute.
    Vielleicht sollte ich…

    Lieben Gruß Dir!

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    1. Hallo Reiner, ich nehme an, dass du mit „mich solchen Themen widmen“ deine eigenen Lebenserfahrungen oder auch die (allgemein) gesellschaftlichen Entwicklungen meinst, die du beobachtest.
      Meine Überlegung dazu:

      Sind unsere Erfahrungen/Beobachtungen wirklich so privat? Ich persönlich glaube nicht, dass meine Lebenserfahrungen bzw. Beobachtungen nur mir widerfahren oder nur von mir gesehen werden.

      Genau da setzt die Kunst an (also so verstehe ich viele meiner kreativen Arbeiten/Äußerungen) : Sie denkt nach über das Erfahrene/Beobachtete und re-flektiert – im Sinne einer erweiterten Wider-Spiegelung – eben diese Erfahrungen/Beobachtungen.
      Das muss nicht unbedingt eine problematische Situation sein, es kann auch ein Trend sein, eine Landschaft, eine Stadt und vieles mehr. Das „Außen“ macht einen bestimmten Eindruck auf mich, es hinterlässt in mir eine mentale Spur und mein kreatives Gehirn/mein „Herz“ arbeitet damit.

      Irgendwann „spucke“ ich das Ganze wieder aus: Der Eindruck, der ja zunächst geistig/mental war, materialisiert sich, zum Beispiel in einem Bild, Gedicht, Text, Zitat, Musik, Figur, Kleidungsstück, Gartenanlage usw.
      Dieses Sichtbarmachen erlaubt es anderen Menschen, über diese kreative Arbeit nachzudenken und das wiederum könnte eine Handlung oder einen Gedanken herbeiführen, der hoffentlich diesen Menschen in seinem Leben irgendwie weiterbringt.

      Ich denke, dieser Vorgang ist einer der wichtigsten Aufgaben der Kunst.

      So, und nach diesem langen Schlenker, komme ich wieder zu meinem Gedicht: Findet meine Generation noch Neues? Kann sie noch etwas einbringen, das nicht schon tausend Mal gesagt wurde? Genügt es wirklich, sich zu sagen: Meine kreative Arbeit kann nur ich so gestalten. Natürlich sind drei Leinwände von drei verschiedenen Personen rot angemalt verschieden, aber genügt das? Lohnt sich das noch: „Kunst“ herstellen? Kommt das überhaupt noch irgendwo an?
      Klar, mir selbst tut das immer gut, mich auszudrücken. Ich bin aber nun mal so vermessen und will darüber hinaus! Ich will auch anderen etwas geben, genau genommen, etwas zurückgeben, denn die Impulse zu meiner kreativen Arbeit greife ich schließlich im Außen auf.
      Wow! Du siehst, Reiner, deine Antwort hat mich inspiriert. Das finde ich gut 🙂
      Dir und deinen Lieben einen guten, erholsamen Sonntag und eine gute Woche!

      Holda Stern

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      1. Es geht um Sinn-Suche, um Krankheiten, um das scheitern im Leben, um unsere Endlichkeit. Mich berührt das sehr, was ich derzeit im Freundes- und Bekanntenkreis sehe, noch vor meinen eigenen derzeitigen, vergleichsweise kleinen Problemen.

        Mal schauen, wie ich damit umgehe. Schreiben kann ich, aber darf ich das auch immer? Ist es angemessen, vermessen, ist es narzisstisch, mich selbst in solche Betrachtungen mit einzubeziehen, öffentlich? So Fragen.

        Schön dich inspiriert zu haben 😉 und auch Dir einen guten Rest-Sonntag!

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  2. Hallo Reiner, ja, das autobiographische Schreiben von Ereignissen, die man selbst erlebt oder bei andern beobachtet, verlangt ein besonderes Fingerspitzengefühl. Das Geschriebene muss anonymisiert werden. Das ist weit mehr als nur Namen und Orte ändern. Ich finde das auch schwierig. Ich müsste zunächst für mich schreiben und das Ganze dann akribisch bearbeiten. Keine Ahnung wie andere Autoren das machen. Vielleicht gewinnt man mit der Zeit Übung darin?

    Ich selbst habe eine Möglichkeit gefunden, nämlich, indem ich das Erlebte in Lyrikform schreibe, ich nenne das Gedankengedicht, wie du aus meinem vorigen Blog weißt.
    Manchmal male ich auch zu einem gesellschaftlichen Thema. Das bisher jedoch selten, da ich meine Bilder lieber so gestalte, dass sie mich und andere aufmutern oder entspannend wirken.

    Liebe Grüße und eine gute Woche!

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