Zum Briefprojekt: Resonanzbild und Gedicht zu Paul Klees „Engeln“


Resonanzbild zu Paul Klees "Engel zu drei": "verwoben"
„verwoben“

verwoben
im Tanz des Lebens
den Tod besiegen

im endlosen Reigen
die Engel zu drei
und doch
glaub ich’s nicht ganz

Holda Stern 5.11.2015

Lange habe ich über dieses Bild nachgedacht. Das Resonanzbild zu Paul Klees „Engel zu drei“ hat sich Zeit gelassen …
Eine unruhige Nacht brachte die Auflösung. Ich würde die drei Engel tanzen lassen als drei Primärfarben, die einander berühren, ineinander fließen und neue Farben bilden: Grün, Orange und Lila.
Jede dieser Farben hat ihre eigenen Bedeutungen. Ich sehe sie an den Zyklus des Lebens gebunden.

So zum Beispiel ist Grün die Hoffnung, aber auch Neubeginn, Lebensanfang.
Orange erinnert mich an den Herbst: Die Früchte hängen prall an den Bäumen, erntereif wie so Manches im Leben, wenn es sich lange genug und unter guten Bedingungen entwickeln konnte.
Zugleich läutet die Ernte aber auch die kommende Ruhe ein. Ist es ein Absterben oder doch eher das verborgene Hinübergehen in ein anderes oder neues Leben? Lila ist die Farbe der Trauer und auch eines vollkommenen, vergeistigten Seins.
Das Weiß der Flügel erinnert mich an den Schnee, der im Winter alles zudeckt. Unter dieser Schneedecke geschieht Geheimnisvolles.
Blau erinnert an Himmel, für mich auch Leichtigkeit.
Rot ist die Farbe der Liebe, energetisch geladen.
Gelb widerspiegelt das Licht, ohne das nichts möglich im Leben ist.

Farben haben so unendlich viele Bedeutungen wie wir dem Leben Sinninhalte geben können und dürfen!

Mir ist während des Malens meiner letzten Bilder aufgefallen, dass ich darin die innere Aufruhr verarbeite, die die Geschehnisse in der Welt – vor allem in Paris, aber auch die Flüchtlingswelle – in mir hervorgerufen haben.
So habe ich auch ein Bild in Acryl gemalt, das ein bedrohliches Meer sowie eine dunkle Sonne inmitten von blutroten Wolken zeigt. Ich möchte noch eine Friedenstaube hineinmalen, aber etwas sträubt sich in mir dagegen. Wenn das Bild fertig ist, werde ich es euch zeigen.
Letzte Woche habe ich ein Bild begonnen, das dem Dunkel eine Lichtbotschaft entgegensetzt. Das wird mein Beitrag zum ersten Advent!

Bis dahin wünsche ich euch allen alles Gute und Licht in euren Tagen!

Holda Stern

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Herbstliches


Hallo ihr lieben Blogleser und Blogfreunde! Ich bin zumindest einmal wöchentlich hier im Blog unterwegs, oft reicht die Zeit nur zum Kommentieren …
Heute möchte ich denn auch mal aus dem Nähkästchen plaudern, Nähkästchen steht übrigens ausgepackt auf dem Wohnzimmertisch inklusive Nähmaschine, weil ich soeben ein Nähprojekt (Gardine) fertiggestellt habe und ein neues Nähprojekt (DIY-Kissen-Geschenk für Weihnachten) schon wartet  …

Zunächst einmal, was mir Freude machte in letzter Zeit. Da wäre ein herbstliches Blumengesteck, das ich in einen Füllhorn-Korb arrangiert hatte, hier ein schönes Bild davon:

Herbstarrangement im Füllhorn
Herbstarrangement im Füllhorn

Als ich diese wunderbaren Blüten aus unserm Garten zusammengetragen hatte, wusste ich noch nicht wiesehr sie mich zu folgendem Bild inspirieren würden:

Fülle der herbstlichen Blütenpracht
Fülle der herbstlichen Blütenpracht

Wir sollten im Malkurs eigentlich etwas Abstraktes herstellen! ich habe denn auch brav und ziemlich wahllos Netz- und Kartonteile aufgeklebt auf ein bereits bestehendes Bild, das ich beschlossen hatte zu übermalen, eventuell einige Werkspuren zu lassen … dennoch konnte ich mich vom ursprünglichen Motiv nicht lösen, sehr zu meinem Leidwesen … zunächst … bis ich nach einigem Denken und Träumen in der Nacht die Lösung für mein Gestaltungsproblem hatte … ich würde noch einige Stiele andeuten und schon konnten die wahllos angelegten Werkstücke zu bunten Blumen werden … so, und jetzt gefällt’s mir endlich …

Gelesen habe ich inzwischen auch ein Buch von Hera Lind: „Die Drachenkinder“. Es geht um eine Frau, die eine Spendenorganisation gegründet hat für Afghanistan. Noch immer weiß ich nicht, ob ich dieses Buch wirklich empfehlen soll. Einerseits ist es keine süßlich kitschige Kost, sondern zeigt sehr wohl auch die hausgemachten Probleme in Afghanistan an, andererseits ist die humorige Sprache mir oft zu humorig für ein so ernstes Thema. Je nachdem, mit welcher Einstellung man das Buch liest, spendet man nachher mehr oder gar nichts mehr.

Ich selbst schreibe zur Zeit eher wenig, abgesehen von dem „Engel von Paul Klee Projekt“. Malen und Nähen, Nordic Walking und Yoga und nicht zuletzt mein Garten nehmen mich voll in Beschlag. Ja, dazu noch der liebe Haushalt, Arztbesuche (zeitraubend) … alles in allem geht es mir ziemlich gut!

So, und jetzt muss ich noch eine kleine Aufgabe für meinen Skizzenkurs malen: Apfelskizze mit seitlichem Lichteinfall. Zwecks Studium des Schattens, der sich bildet.

Ich hoffe, es geht euch gut. Bis bald und liebe Grüße an alle, eure Holda Stern!

aus dem Mal- und Schreibprojekt zu den Engelbildern von Paul Klee


Mit einer lieben Freundin „arbeite“ ich seit über einem Jahr an einem Mal- und Schreibprojekt. Wir malen Resonanzbilder zu den Engelbildern von Paul Klee und schreiben einen Resonanz-Text oder Gedicht oder Gedanken dazu.

Wir lesen parallel ein Buch, in dem Ingrid Riedel Klees Engelbilder kommentiert. Wir versuchen allerdings unsere eigenen Gedanken und Ideen zu Papier zu bringen.
Eigentlich habe ich es gar nicht so mit Engeln. Obwohl mir hin und wieder im Leben seltsame, kaum erklärbare Dinge widerfahren sind. Zum Beispiel Stürze, die ich völlig unversehrt überstanden habe, obwohl das im Nachhinein betrachtet unmöglich sein kann.

Ingrid Riedel interpretiert die Engel als Persönlichkeitsanteile, die in Paul Klee heranwachsen. Innere Seelenanteile, die von einem kindlichen zu einem erwachsenen, vollkommenen Engel heranwachsen.
Etwas in mir sträubt sich da. Ich fühle es mehr so, dass der „Engel“ in mir von Beginn an „fertig entwickelt“ da ist, wie eine innere Kraft. Eine Kraft, die aber sehr fragil ist. Bedroht. Ein Engel, der sich oft duckt. Dann sich wieder aufbäumt. Der aber nicht kleinzukriegen ist. So eine Art Stehaufmännchen. Mein innerer Engel (zugleich eine Engelin) hat viele Facetten und das widerspiegelt sich in den Zeichnungen und Texten.

Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Engel sich entwickeln muss. Ich muss mich entwickeln, mein innerer Engel bleibt.

Ich bin gespannt, wo uns dieser Austausch hinführt. Paul Klee hat viele Engelbilder gemalt!

Kürzlich waren wir in Düsseldorf die Ausstellung von Joan Miró schauen. Ich war fasziniert von seiner Idee auf diese Weise zu malen. Das hat mich zum folgenden Engelbild inspiriert in Antwort auf Paul Klees Bild „in Engelshut auf steilem Weg“:

Resonanzbild zu Paul Klees Engelbild "in Engelshut auf steilem Weg"
Resonanzbild zu Paul Klees Engelbild „in Engelshut auf steilem Weg“

ich bin
mit meinen Engeln
auf steilem Pfad gewesen

meine Engel waren schlauer als

ich
habe gekämpft
bis zum Ende

und das war bitter

schmeckte mir
das Leben, das
ich trank

bis ich beschloss
loszulassen

los
zu lassen

l o s z u l a s s e n

Α ellnsssz Ω

Α Ω

geschrieben im August 2015 von Holda Stern

N.B. Da diese Freundin in Luxemburg wohnt (wenngleich sie aus Deutschland kommt),  schicken wir uns die Zeichnungen und unsere Texte meist zu. Die Bilder haben daher auch Briefformat. Einige Motive werde ich eines Tages großformatig mit Acrylfarbe malen. Da denke ich mit Vorfreude dran 🙂

Liebe Grüße Euch allen und einen erholsamen Sonntag!