Experimentelle Acrylmalerei und plastische Kunst


Manche abstrakte Bilder gewinnen an Reiz und Bedeutung, wenn ihnen ein weiteres,  plastisches, symbolträchtiges Element zugefügt wird. So hatte ich vor rund einem Jahr ein Bild in der sogenannten „Schütt-Technik“ hergestellt: Die Acrylfarbe wird mit etwas Wasser verdünnt. Das Ganze wird in einem Joghurtbecher vermischt. Anschließend lässt man die Farbe über die Leinwand fließen und bewegt die Leinwand nach Wunsch hin und her. Nach der Trocknung kann man das Bild je nach Inspiration noch ergänzen.
Die Technik macht Spaß, aber um ein wirklich interessantes Bild zu erzielen, braucht es dennoch etwas Zeit und Ideen.
So war ich mit meinem Bild zwar zum Abschluss recht zufrieden, aber mir fehlte einfach der Kick darin, bzw. die Sinnhaftigkeit. Vor meinem inneren Auge entstand eine Vision …
Diese konnte ich aber erst im Herbst verwirklichen, nachdem ich auf eine fantastische Büste gestoßen bin. Seht selbst …

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Ohne diesen Kopf wäre das Bild nur ein Farbgewusel gewesen, das mich zwar an ein Korallenriff oder an eine Landschaft unter dem Meeresspiegel erinnerte.
Nun aber, jedesmal wenn ich diese Szenerie betrachte, stellt sich bei mir so etwas wie innerer Friede ein. So wie ein Korallenriff eben wirkt, trotz der Vielfältigkeit der Farben, trotz der vielen Verästelungen.
Dieser Tage fiel mir rechts im Bild noch etwas auf: Die rote Form hat die Form eines Ohrs, sehr ähnlich den Ohren des Buddha. Es ist für mich ein Ohr, das der Stille lauscht, vielleicht auch den Gesängen der Wale …
So inspiriert mich dieses Bild jedesmal aufs Neue. Ich hätte nie geahnt, dass ich einem abstrakten Bild eines Tages soviel abgewinnen könnte. Es ist ein langer Weg, bis man der Essenz der modernen Kunstrichtungen auf die Spur kommt. So langsam fange ich an zu begreifen …

Ich wünsche euch allen ein gutes Wochenende. Habt Spaß und freudige Momente, ob ihr nun Karneval feiert oder nicht. Lachen ist immer gesund, oder?

Eure Holda Stern

 

 

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Zum Briefprojekt: Resonanzbild und Gedicht zu Paul Klees „Engeln“


Resonanzbild zu Paul Klees "Engel zu drei": "verwoben"
„verwoben“

verwoben
im Tanz des Lebens
den Tod besiegen

im endlosen Reigen
die Engel zu drei
und doch
glaub ich’s nicht ganz

Holda Stern 5.11.2015

Lange habe ich über dieses Bild nachgedacht. Das Resonanzbild zu Paul Klees „Engel zu drei“ hat sich Zeit gelassen …
Eine unruhige Nacht brachte die Auflösung. Ich würde die drei Engel tanzen lassen als drei Primärfarben, die einander berühren, ineinander fließen und neue Farben bilden: Grün, Orange und Lila.
Jede dieser Farben hat ihre eigenen Bedeutungen. Ich sehe sie an den Zyklus des Lebens gebunden.

So zum Beispiel ist Grün die Hoffnung, aber auch Neubeginn, Lebensanfang.
Orange erinnert mich an den Herbst: Die Früchte hängen prall an den Bäumen, erntereif wie so Manches im Leben, wenn es sich lange genug und unter guten Bedingungen entwickeln konnte.
Zugleich läutet die Ernte aber auch die kommende Ruhe ein. Ist es ein Absterben oder doch eher das verborgene Hinübergehen in ein anderes oder neues Leben? Lila ist die Farbe der Trauer und auch eines vollkommenen, vergeistigten Seins.
Das Weiß der Flügel erinnert mich an den Schnee, der im Winter alles zudeckt. Unter dieser Schneedecke geschieht Geheimnisvolles.
Blau erinnert an Himmel, für mich auch Leichtigkeit.
Rot ist die Farbe der Liebe, energetisch geladen.
Gelb widerspiegelt das Licht, ohne das nichts möglich im Leben ist.

Farben haben so unendlich viele Bedeutungen wie wir dem Leben Sinninhalte geben können und dürfen!

Mir ist während des Malens meiner letzten Bilder aufgefallen, dass ich darin die innere Aufruhr verarbeite, die die Geschehnisse in der Welt – vor allem in Paris, aber auch die Flüchtlingswelle – in mir hervorgerufen haben.
So habe ich auch ein Bild in Acryl gemalt, das ein bedrohliches Meer sowie eine dunkle Sonne inmitten von blutroten Wolken zeigt. Ich möchte noch eine Friedenstaube hineinmalen, aber etwas sträubt sich in mir dagegen. Wenn das Bild fertig ist, werde ich es euch zeigen.
Letzte Woche habe ich ein Bild begonnen, das dem Dunkel eine Lichtbotschaft entgegensetzt. Das wird mein Beitrag zum ersten Advent!

Bis dahin wünsche ich euch allen alles Gute und Licht in euren Tagen!

Holda Stern