FRÜHLING!


Ich gehöre zu der Sorte von Menschen, die am ehesten inmitten von Menschen inspiriert und kreativ werden. So schreibe ich liebend gerne am Strand, im Liegestuhl ums Schwimmbad herum, auch mal gern in einem netten Café und natürlich in Schreibwerkstätten. Letztere sind etwas besonders Feines!
Auch male ich gern inmitten einer Gruppe von andern MalerInnen, in ungezwungener Atmosphäre, man plauscht ein wenig über dies und jenes, tauscht Erfahrungen und Wissen aus …

In der Schreibwerkstatt, in die eine liebe Freundin mich dieser Tage mitgenommen hat, entstand das folgende Frühlingsgedicht. Ich wünsche euch soviel Lesegenuss wie ich Schreibgenuss gehabt habe!
Das Bild, das ich euch gerne hier zeige, ist teils im Malkurs an der Freien Kunstschule entstanden, teils zuhause.

 

Wenn der Frühling kommt …

 

Wenn der Frühling kommt, ja,
wenn er denn kommt,
dann kommt er nicht, nein!

Er galoppiert wie ein Pferd,
das seinen Herrn soeben abgeworfen hat, ach was,
er stürmt daher wie ein junger Stier,
den der Landwirt auf die Weide entlassen hat.
Warm und feucht bläst er aus den Nüstern,
glänzend rinnt der Schweiß den heißen Rücken hinunter,
lebendig pulsiert das Blut in den Adern.

Das Herz schlägt schneller, höher und höher.

 

Wenn der Frühling kommt, ja,
wenn er denn endlich kommt,
dann kommt er nicht, nein!

Er hüpft wie ein Mädchen,
das soeben das Schultor hinter sich gelassen hat, ach was,
er rennt daher wie ein Rotznasenbub,
der in der Gass´ an Türen geklingelt und im Laden einen Lutscher geklaut hat.
Süß und klebrig rinnt der Saft die Mundwinkel hinab,
die Augen leuchten in Krokusblau,
rot pulsiert das Blut in den Adern.

Das Herz schlägt schneller, höher und höher.

 

Wenn der Frühling kommt, ja,
wenn er denn kommt,
dann kommt er nicht, nein!

Er fliegt daher wie Feenstaub,
den eine Fee im Walde verloren hat, ach was,
er saust daher wie ein frecher Engel,
der dem Petrus am Himmelstor entwischt ist.
Nun verstreut er all die himmlischen Blüten aus seinem himmlischen Säckel,
dottergelber Duft breitet sich aus,
Schlüsselblumen, Huflattich und Narzissen sprießen aus dem Erdreich

und das Herz schlägt schneller, höher und höher …

… bis du selbst dich engelsam fühlst und alles Schwere hinter dich gelassen hast …

 

© Holda Stern 16. März 2017

 

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Frühlingsgefühle, duftig leicht …

 

Eine wunderschöne Frühlingszeit wünscht euch allen,
eure Holda Stern!

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Februargedanken


Seit einiger Zeit empfinde ich mich selbst als nachdenklich – kein Wunder, dass ich den „nachdenklichen Avalokiteshvara“ malen musste. Es sind keine bestimmten, fest umrissenen Gedanken, eher eine Emotion, die mich leise begleitet.

In einem Gedankengedicht versuchte ich dieses Gefühl in Worte zu kleiden, nachdem mir bewusst wurde, dass ich dieses Jahr kein Weihnachtsgedicht geschrieben hatte, ungewöhnlich für mich! Die Worte kamen nur jedoch nur widerspenstig und unvollkommen. Der Text heißt dann auch: „Kein Weihnachtsgedicht“

Kein Weihnachtsgedicht

Ich habe dieses Jahr kein Weihnachtsgedicht geschrieben.
Himmel! Mir fehlte der Mut.
Mir fehlte der Mut, dem Kinde da
– in der Krippe –
in die Augen zu schaun
und zu sagen:
„Alles wird gut!“

Nun frage ich euch,
könnt ihr es ihm statt meiner sagen?
Ihm Trost und Wärme spenden?

Denn ich vermag es nicht
angesichts dessen, was da draußen geschieht,
was das Kind erwartet,
wenn es dereinst erwachsen wird …

Mir kam’s vor als würde Gott selbst
mit der Schulter zucken …

©Holda Stern im  Januar-Februar 2017

 

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Verstecktes Weihnachtslicht

 

Im Rückblick betrachtet war das letzte Jahr für mich persönlich ein gutes Jahr, ein Jahr, das viele, persönliche, kleine Freudensmomente beinhaltete. Dennoch warfen die gesellschaftlichen Ereignisse wie die Flüchtlingsproblematik, Terroranschläge, Großbritanniens baldiger Austritt aus der EU, der hässliche amerikanische Wahlkampf einen Schatten über unser aller Leben. Ich empfinde es als zunehmend schwierig, diese Geschehenisse auszublenden. Letztlich kann ich nicht viel beitragen und kann nur in meinem Umkreis wirken so gut es eben geht. Ich hoffe darauf, dass die Energie eines jeden freundlichen Wortes sich wie eine Welle ausbreitet und unsere Welt etwas heller und leichter gestaltet …

Mit lieben Grüßen an euch alle, eure Holda Stern – Sabina

 

gestern, an meiner tür, der zigeuner mit dem kind


gestern, an meiner tür

der zigeuner mit dem kind

erinnerte mich daran,

dass auch ich

ein verlorenes kind

in einer harten welt bin

ein kind, das verzweifelt

einen platz sucht und

ihn nicht findet

wie weit

es auch reisen mag

ein kind in einer welt

dessen gutheit schale

hauchdünn ist

wie silberglanz auf

glaskugeln

©holda stern 4.12.2016

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Engel in engen Gassen

 Mögen wir in den kommenden Wochen als Engel in engen Gassen unterwegs sein und denen ein gutes Wort zukommen lassen, die unserer Freundlichkeit bedürfen …

Liebe Grüße, eure Holda Stern

„Näherung Luzifer“


So hat Paul Klee eines seiner vielen Engelbilder genannt. Wie einige von euch wissen, tausche ich seit einiger Zeit mit einer Freundin Resonanzbilder und lyrische, kurze Texte aus, die uns zu einem der Engel von Paul Klee einfallen. Wir betrachten einen bestimmten Engel, lesen einen Kommentar dazu, lassen das Ganze auf uns wirken … in der Regel gehen wir eine Zeitlang „schwanger“ mit dem Titel des Bildes, in diesem Fall „Näherung Luzifer“ und versuchen unsere ureigenen Reflektionen zu entwickeln. Manchmal dauert es Wochen, bis endlich die zündende Idee kommt. Dann wird fleißig gemalt und getextet … daraus wurde mein „Engel der Versuchung“:

blog-paul-klee-resonanzbild-engel-der-versuchung
Resonanzbild zu Paul Klees „Engel der Versuchung“
Lockruf

so viele Wege locken

richtig?
falsch?

Versuchung so groß
alle gehen?

EINE Entscheidung treffen
ermüdend

richtig?
falsch?

Müssten wir nicht zunächst ver-suchen?



©Holda Stern im Oktober 2016
Wortspiel


versuchen
sich ver-suchen
sich ver-irren
sich - finden?

am falschen Ort
sich ver-sucht
sich ver-irrt
sich - gefunden?

sich nicht gefunden
weiter suchen
versuchen

©Holda Stern im Oktober 2016

Die beiden Gedankengedichte habe ich nach Erstellung der Collage geschrieben. Die Collage spricht eher oberflächliche Versuchungen an mit nur einigen wenigen Andeutungen, dass es sich hier auch um spirituelle Inhalte geht, um Lebenshaltungen, um tiefgründige Lebensfragen. Zum Beispiel: „Wo dein Herz ist, ist auch dein Schatz.“ Wo ist mein/dein Herz?

Mein Fazit nach einigen Überlegungen: Es gibt auch Lockrufe, Versuchungen, denen ich getrost folgen darf. Zum Beispiel dem Lockruf nach einer wahrhaftig gesunden Lebensführung, Geist und Körper betreffend. Dazu gehört auch für mich: „Weniger ist manchmal mehr!“ Und auch: „Dem Mitmenschen zu-geneigt bleiben.“ „Heute ist ein neuer Tag mit neuen Möglichkeiten.“

Ich wünsche euch allen, dass ihr wunderbaren, guten Versuchungen begegnet und sie auskostet bis ins letzte Detail, dass euer Leben reich sein möge an Herz-Zeiten

Holda Stern

Die Wirklichkeit holt mich ein, …


… jedes Mal, wenn ich mir vornehme nochmal einen Blog zu schreiben. Es gibt soviel zu tun:

Das Unkraut hört nicht auf zu wachsen, Trockenheit der letzten Wochen hin oder her. Kein Pardon. Im Gegensatz zu den knospenden Astern, die sich nur mühsam dazu durchringen dicker und praller zu werden. Gestern hat es einige Kilometer von hier sogar gehagelt. Hier? … Fehlanzeige. Ein paar Tropfen Regen.

Ich habe beschlossen diesen Sommer mehr zu unternehmen. Aquarellkurs besucht. Kreative Schreibwerkstatt mitgemacht. Zwei Führungen in Saarlouis. Heute Abend nehme ich an der Literarischen Sommernacht teil im Städtchen Dillingen. Demnächst einen Vortrag EFT (Emotionen fließen lassen, kurz gefasst) anhören.

Eine Granny-Squares-Häkeljacke fertiggestellt. Farbenfrohe Tunika genäht.

Hin und wieder einen Ausflug am Wochenende: Der neue Aussichtsturm an der Cloef. Toll!

Besuch empfangen und selbst Leute besuchen.

Gartenterrasse planen für eine kleine Yogaecke. Das Häusle putzen, jahaaa, muss leider auch sein. Wenn es so heiß ist, eine wahre Qual, die ich nur, wenn es wirklich muss, auf mich nehme.

Inzwischen habe ich wieder begonnen mit kleinen Radtouren. Mit meinem „Vintage“ Rad kann ich fast nur flache Strecken fahren, aber ich sitze darauf wie eine holländische Königin. 🙂

Alles in allem fühle ich mich wohl, vor allem jetzt, wo es ein wenig kühler geworden ist.

Und damit dieser kleine Blog auch komplett ist, hier noch ein paar Fotos aus unserer Englandwoche. Aus „Aidensfield“, eigentlich Goathland, da wurde meine liebste englische Serie „Heartbeat“ gedreht, die ein Jahrzehnt im BBC zu sehen war. Man kann die Gegend per Dampfzug befahren, in den Mooren wandern. Yorkshire ist eine urige, romantische Gegend. Nicht zu vergessen: Whitby, der Hafen und die Kathedrale. Unschlagbar, diese riesige Ruine.

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Aidensfield nowadays

 

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Whitby Cathedral, diese Ruine ist eine Reise wert!

 

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Last but not least, ein Bild aus dem herrlichen „Beth Chatto Garden“, den ich immer wieder gern besuche, ich wollte es wäre mein Garten …

… und noch etwas Kleines, Feines, Wunderschönes. Das fällt mir gerade ein und passt wunderbar zu diesem „Beth Chatto Garden“. Es war das erste Gedicht, das wir in englischer Sprache lernten. Ich bin der Lehrerin bis heute dankbar dafür!

Who Has Seen the Wind?

Christina Rossetti, 18301894

Who has seen the wind? 
Neither I nor you. 
But when the leaves hang trembling, 
The wind is passing through. 
Who has seen the wind? 
Neither you nor I. 
But when the trees bow down their heads, 
The wind is passing by.

 

Liebe Grüße an Euch alle,

Eure Holda Stern

eine schillernde Glaskugel


eine schillernde Glaskugel

inmitten einer harten Welt
niemand mag sie zerstören
jeder fasst sie behutsam an
staunend wird sie betrachtet

eine Wirklichkeit
zerbrechlich wie Glas

so ist die Liebe
so ist die Freiheit
so sind alle wirklich
großen Dinge in dieser Welt

wie viele dieser wirklich großen Dinge,
Werte, Gedanken
werden tagtäglich
durch Unachtsamkeit,
unbewusst ausgeführte Grausamkeit
getreten, gebrochen, zermalmt

achte auf die Glaskugel
tief in Dir

5.2007 Holda Stern

wordpress blog Glaskugel

Manche werden das Gedicht und das Bild erkannt haben: Ich habe nämlich heute in den Texten und Gedichten gestöbert, die ich in meinem vorigen Blog eingestellt hatte. Leider wurde er geschlossen und nun haben viele meiner Blogfreunde hier eine neue „Bleibe“ gefunden. Zum Glück habe ich hier auch neue und alte Blogfreunde (wieder)gefunden oder sie mich. Also ist dieser Beitrag für manche neu und für andere hoffentlich eine schöne Erinnerung.
Ich mag dieses Gedicht noch immer und freue mich, wenn ich es hin und wieder in meinem Gedichteheft wiederfinde.

Last but not least, hier etwas Aktuelles:
Gestern fand eine Queen-Lesung statt in 23, Grand Rue, Vianden (Lux.)  im „Ancien Cinéma“ zu Queen-Bildern von Garjan N. Walisch. Wir von der Schreibwerkstattgruppe Mersch haben Texte gelesen, die wir im Atelier des Künstlers verfasst hatten. Es wurde viel gelacht und geschmunzelt. Ein toller Abend zu einer fantastischen Ausstellung! Diese dauert auch noch bis zum 22. Mai. Vianden, ein kleines, uriges Burgstädtchen ist übrigens auch sonst einen Ausflug wert. Eine Seilbahn führt zur Burg hinauf! Wanderungen gibt es in Hülle und Fülle.

Alles Liebe für euch alle! Eure Holda Stern

aus dem Mal- und Schreibprojekt zu den Engelbildern von Paul Klee


Mit einer lieben Freundin „arbeite“ ich seit über einem Jahr an einem Mal- und Schreibprojekt. Wir malen Resonanzbilder zu den Engelbildern von Paul Klee und schreiben einen Resonanz-Text oder Gedicht oder Gedanken dazu.

Wir lesen parallel ein Buch, in dem Ingrid Riedel Klees Engelbilder kommentiert. Wir versuchen allerdings unsere eigenen Gedanken und Ideen zu Papier zu bringen.
Eigentlich habe ich es gar nicht so mit Engeln. Obwohl mir hin und wieder im Leben seltsame, kaum erklärbare Dinge widerfahren sind. Zum Beispiel Stürze, die ich völlig unversehrt überstanden habe, obwohl das im Nachhinein betrachtet unmöglich sein kann.

Ingrid Riedel interpretiert die Engel als Persönlichkeitsanteile, die in Paul Klee heranwachsen. Innere Seelenanteile, die von einem kindlichen zu einem erwachsenen, vollkommenen Engel heranwachsen.
Etwas in mir sträubt sich da. Ich fühle es mehr so, dass der „Engel“ in mir von Beginn an „fertig entwickelt“ da ist, wie eine innere Kraft. Eine Kraft, die aber sehr fragil ist. Bedroht. Ein Engel, der sich oft duckt. Dann sich wieder aufbäumt. Der aber nicht kleinzukriegen ist. So eine Art Stehaufmännchen. Mein innerer Engel (zugleich eine Engelin) hat viele Facetten und das widerspiegelt sich in den Zeichnungen und Texten.

Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Engel sich entwickeln muss. Ich muss mich entwickeln, mein innerer Engel bleibt.

Ich bin gespannt, wo uns dieser Austausch hinführt. Paul Klee hat viele Engelbilder gemalt!

Kürzlich waren wir in Düsseldorf die Ausstellung von Joan Miró schauen. Ich war fasziniert von seiner Idee auf diese Weise zu malen. Das hat mich zum folgenden Engelbild inspiriert in Antwort auf Paul Klees Bild „in Engelshut auf steilem Weg“:

Resonanzbild zu Paul Klees Engelbild "in Engelshut auf steilem Weg"
Resonanzbild zu Paul Klees Engelbild „in Engelshut auf steilem Weg“

ich bin
mit meinen Engeln
auf steilem Pfad gewesen

meine Engel waren schlauer als

ich
habe gekämpft
bis zum Ende

und das war bitter

schmeckte mir
das Leben, das
ich trank

bis ich beschloss
loszulassen

los
zu lassen

l o s z u l a s s e n

Α ellnsssz Ω

Α Ω

geschrieben im August 2015 von Holda Stern

N.B. Da diese Freundin in Luxemburg wohnt (wenngleich sie aus Deutschland kommt),  schicken wir uns die Zeichnungen und unsere Texte meist zu. Die Bilder haben daher auch Briefformat. Einige Motive werde ich eines Tages großformatig mit Acrylfarbe malen. Da denke ich mit Vorfreude dran 🙂

Liebe Grüße Euch allen und einen erholsamen Sonntag!